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Viel Konfetti und roter Reis für Geld und Glück

Artikel von KATRIN KUNIPATZ          13.12.2010
 
Bis Vân Anh Wendler 1987 nach Bischofswerda kam, kannte sie das Weihnachtsfest nicht.
In ihrer Heimat Vietnam leben nur rund zehn Prozent protestantische und katholische Christen. Diese erinnern an die Geburt Jesus Christus jedoch unter sich. Die Vietnamesen feiern mit großem Aufwand und vielen Symbolen Tet – das Neujahrsfest.

Selbstverständlich wird bei Familie Wendler in Bischofswerda jedes Jahr Weihnachten gefeiert. „Mir macht es Spaß unter dem geschmückten Baum mit unseren drei Kindern und der Familie zusammen zu sein“, sagt Van Anh Wendler. Sie kam vor vielen Jahren nach Deutschland, arbeitete in Neukirch, …. Nur für Kartoffelsalat und Bockwurst am Heiligen Abend hat sie wenig übrig. „Das Festessen an den anderen Tagen ist besser. In Vietnam kauft man am 24. Dezember lebende Fische, die am folgenden Tag nach Gebeten frei gelassen werden.“Es heißt, sie würden sich um Mitternacht in Drachen verwandeln und im Himmel berichten, was wir Gutes und Schlechtes getan haben“, erklärt Van Anh Wendler. Religion und Alltag Vietnams sind von buddhistischen, taoistischen und asiatischen Traditionen durchdrungen.Der Rhythmus des Lebens und der Feiertage wird vom Mondkalender bestimmt. „Unser wichtigstes Fest ist das Tet-Fest“, erklärt die junge Frau. „Dieses Winterfest wird eine Woche lang gefeiert und ist eine Mischung aus Neujahrs- und Weihnachtsfest.“Die Vorbereitungen beginnen ähnlich wie in Deutschland lange zuvor. „Tet wird in der kalten Jahreszeit gefeiert, meist Anfang Februar“, berichtet Van Anh Wendler. Auf den Tisch kommen Wurst- und Fleischgerichte, die es sonst selten im heißen und tropischen Vietnam gibt.Hergestellt werden diese aus Hähnchen- oder Schweinefleisch. Auf den Tisch kommt ebenfalls lange haltbares Gebäck, kandierte getrocknete Früchte und andere Süßigkeiten. Die Häuser und Wohnungen werden geschmückt. Rot ist dabei eine wichtige Farbe. Sie bedeutet Glück und Wohlstand. Rosa blühende Pfirsichzweige, Orchideen und Mandarinenbäumchen verschönern das Heim.Van Anhs Familie verließ eine Stunde vor dem Jahreswechsel das Haus. „Jeder suchte sich einen grünen Zweig fürs neue Jahr“, berichtet sie. Knaller und Raketen wurden angezündet. Verboten sei es seit einigen Jahren, dieses Feuerwerk selbst herzustellen, so die Vietnamesin. Es habe in der Vergangenheit zu viele Unfälle gegeben. Deshalb wird so viel wie möglich Konfetti verstreut – es bedeutet Reichtum für das nächste Jahr.Die Vietnamesen achten genau darauf, wer als erster im neuen Jahr das Haus betritt. „Es muss jemand mit dem richtigen Sternzeichen sein, damit die Familie das ganz Jahr über gute Gäste und liebevolle Menschen im Haus hat“, sagt Van Anh Wendler. Zurück im Haus erhalten die Kinder ihre Geschenke. Darunter befinden sich immer rote Geldscheine, die Glück und Reichtum bringen sollen.

In den folgenden Tagen wird gefeiert und gegessen. Es gibt Klebreiskuchen, mit Früchten rot gefärbte Klebreiskugeln, süßes Gebäck und getrocknete Früchte. Man besucht Freunde und entfernte Verwandte und tauscht kleine Geschenke aus.

In ihrer neuen Heimat feiert Van Anh Wendler mit ihrer Familie das Tet-Fest… Froh ist sie, dass ihr Mann in dieser Zeit Urlaub macht und die Familie gemeinsam feiern kann.

Exakt zum Jahreswechsel nach dem vietnamesischen Mondkalender – in Deutschland um sechs Uhr abends – bekommen die Kinder einen roten Geldschein, mit der Mahnung lieb zu sein. Anschließend gibt es bei Wendlers ähnlich wie in Vietnam Süßigkeiten, kandierten Ingwer, getrocknete Cranberrys, Pfirsich und Mango.

Selbst den roten Klebreis kocht Van Anh. „Aber zu Hause schmeckt er anders, auch wenn ich hier die gleichen Zutaten und Gewürze verwende“, sagt sie. …